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Newsletter 2022-2

Liebe Kolleg*innen, liebe alle

 

Es wäre schön, eine weniger schreckliche Hintergrundfolie für meinen Newsletter zu haben. Aber aussuchen ist nicht immer möglich, und den Schrecken primär als Hintergrundfolie zu haben, ist mit der unmittelbaren Betroffenheit von Brutalität nicht zu vergleichen.

In der Theorie wird eine Krise oft als Anlass für Entwicklung gesehen. Ich würde das nicht ohne weiteres unterschreiben. Sie kann Chance sein, aber nur, wenn ich mich auf ihre Transformation in ein Lernfeld einlasse. Das ist meist unangenehm und schmerzhaft. In diesem Fall hoffe ich, dass die Theorie recht hat und dass der Krieg in der Ukraine mit allem, was er umfasst, Lernfelder eröffnet und die Akzeptanz für Lernprozesse erhöht: Wie können wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern oder das Zusammenleben gestalten, ohne dass ethnische oder nationale Zuschreibungen zu bedrohlichen Rissen im Gefüge führen? Wie können wir Konflikte klären, ohne an den Punkt zu kommen, wo alle Beteiligten nur noch zu verlieren haben?

Persönlich wünsche ich mir, darauf vertrauen zu können, dass ich selbst in einer Krise auch den Mut mobilisieren kann, meine Werte zu verteidigen.

 

Traurigkeit oder Wut sind aber nur ein Teil dieses Newsletters.

 

Daneben, darüber und dazwischen freue ich mich auf das bereits angekündigte Projekt mit den Künstlerinnen Sadhyo Niederberger und Rachel Bühlmann: What | do you see | me ist eine »Versuchsanlage«, die wir im Kunstraum Eck in Aarau aufbauen. Wir beschäftigen uns mit der Frage, was Kleidung mit dem Selbstverständnis und Selbstverständnis mit der Kleidung macht, was Kleidung darstellt oder welche Selbstdarstellungen in die Kleidung hineingelesen werden, wie Kleidung Beziehungen zwischen dem Individuum und gesellschaftlichen Vorstellungen von Individualität oder Kollektivität herstellt. Ich freue mich sehr auf das, was die Partizipation von Passant*innen mit unseren bisherigen Überlegungen machen wird.

 

Und noch ein Anlass, mich zu freuen: Ich habe eine zweijährige Weiterbildung für künstlerisch-systemische Therapie angefangen. Mein Verständnis von Bildung und Beratung hat sich schon immer an meinem Verständnis von Kunst orientiert. Dass ich im Austausch mit Kolleg*innen diese Beziehung nun systematisch ausloten kann und dadurch das Potenzial von künstlerischen oder im weiteren Sinn gestalterischen Prozessen für meine Arbeit umfassender zu nutzen lerne, ist eine grosse Bereicherung.

 

Da ich in den letzten Jahren viel Fallsupervision geleitet habe, in meinen Workshops Fallarbeit oder Aktionsforschung als zentrale Elemente der Weiterbildung betrachte und für jedes Treffen mit meiner eigenen Intervisionsgruppe dankbar bin, realisiere ich einmal mehr: Es geht wenig über das Lernen im Austausch und an konkreten Praxisfällen! Wenn du/Sie davon auch überzeugt bist/sind: Ich leite Fallsupervisionen, aber ich mache auch Kick-offs für kollaboratives Lernen und Intervision oder Kollegiale Beratung, die einen Einstieg in selbstorganisiertes gemeinsames Lernen ermöglichen.

 

Vielleicht steht aber auch einfach ein Frühlingsputz im Team oder im professionellen Selbstverständnis an, und manchmal beschleunigt der Blick eines Gegenübers in die Zimmerecken die Entscheidungen. Ich stelle dir/Ihnen gern meine Aufmerksamkeit und ein paar Instrumente für Inventar und Neuordnung zur Verfügung.

 

Ich wünsche dir/Ihnen einen wunderschönen Frühling und freue mich wie immer auf angekündigte oder zufällige Begegnungen!

 

Herzliche Grüsse

Lea (Pelosi)

 

Newsletter 2022-1

Liebe*r Kolleg*in, liebe alle

 

Wir haben ein weiteres Jahr unter anderem mit Corona verbracht – in sehr unterschiedlicher Weise davon betroffen, angeregt, verletzt, berührt, verärgert, verunsichert, erschöpft, verändert.

Wir müssen uns professionell und privat Wege durch das oft unübersichtliche Hin und Her der Massnahmen und Auflagen suchen. Das hinterlässt Spuren, ermöglicht aber auch Lern- und Entwicklungsprozesse. Ich versuche immer wieder, letzteres nicht zu vergessen.

Was mir an der Situation aber dennoch nachhaltig ungut erscheint, sind die zunehmende Lagerbildung und die entsprechenden Gräben in der Gesellschaft, aber auch in kleineren Gemeinschaften: Familien, Teams, Ausbildungsgruppen. Ein Merkmal wie der Impfstatus genügt, um Kategorien zu bilden und das Gegenüber einzuordnen: links oder rechts, gut oder schlecht, rational oder nicht – als sei hier plötzlich die Kompetenz im Umgang mit Diversität und Komplexität aufgehoben.

Es gibt natürlich »gute Gründe« für die Ab- und Eingrenzung: Unsicherheiten, Ängste, grundlegende Wertvorstellungen, Ermüdung, einschlägige Erfahrung zum Beispiel. Dennoch denke ich, dass Komplexität höchstens temporär reduziert werden sollte, wenn es um längerfristige Transformationen geht. Und damit haben wir es zu tun: viel mehr als im Umgang mit Corona im Hinblick auf das Klima, die Verteilung von Ressourcen. Und ich realisiere in meiner Arbeit zunehmend, wie sehr die Transformationen des Kontexts bei der Transformation von Individuen, Teams und Gruppen mitwirken – in der Bildung und in der Beratung. Wir können daher in der Regel höchstens grob abschätzen, welche Auswirkungen unsere eigenen Entscheidungen haben werden. In komplexen Fragen sind sie daher erst der Anfang einer Antwort – Scharniere in Prozessen.

In dieser Hinsicht überschneiden sich meine Bildungs- und Beratungsarbeit vielfältig: Es geht immer wieder um die Rahmung von Reflexionsprozessen auf der Grundlage von Geschichten – über Arbeitsverhältnisse, Beziehungen, Visionen, Karrieren, besondere Ereignisse. Ich bin dankbar für diese Geschichten, die es unter anderem ausmachen, dass meine Arbeit über die lange Zeit so bereichernd und interessant geblieben ist.

 

Zwischen den Jahren ein Blick zurück auf das, was mir heute wichtig erscheint...

· Aus Themen, die mich schon länger beschäftigen – der Diversität in der Supervision und der (Un)Sichtbarkeit von Frauen in der Erwachsenenbildung – sind zwei kleine Publikationen geworden.

https://www.professioneelbegeleiden.nl/public/files/ANSE-2021-02-99.pdf

https://erwachsenenbildung.at/magazin/ausgabe-43/16320-erwachsenenbildner-in.php

· Verschiedene Choreografie-Workshops mit Fabian Chyle haben mir ermöglicht, aus der Perspektive der Teilnehmerin über das in meiner Arbeit wichtige Verhältnis von Kunst/Gestaltung und Bildung/Entwicklung nachzudenken.

· IDIconTOTO, der Lehrgang, in dem ich einige von Euch kennen und schätzen gelernt habe, hat sich auf eine Reise begeben und wird neu vom K5 angeboten: Ich wünsche viel Freude und Erfolg damit!

· Und last but not least sind da die neuen und nicht mehr ganz neue Kooperationen mit Organisationen, Teams und Einzelpersonen, die mich immer wieder neu herausfordern, überraschen und in Bewegung bringen.

 

... und der Blick nach vorn auf das, was sich für das kommende Jahr abzeichnet:

· Ich freue mich auf mein Logo, das bald fertig sein wird.

· Ich freue mich auf eine etwas ungewöhnliche Kooperation mit zwei Künstlerinnen für ein Projekt im ECK in Aarau.

· Ich werde – sofern Corona es zulässt – wieder mehr Supervisionen und Coachings in Präsenz machen und bin dankbar für Hinweise auf Räume, die ich dafür (mit-)benutzen könnte.

· Und natürlich freue ich mich auf all das, von dem ich noch nicht weiss, dass und wie es sein wird.

 

Ich freue mich zudem, wenn ich auch im kommenden Jahr der*dem einen oder anderen von Euch/Ihnen wieder begegnen werde – sei es in der Zusammenarbeit oder für einen Kaffee.

 

Ich wünsche Dir/Ihnen viel Schönes und Gutes in diesem kommenden Jahr! Und für die schwierigen Momente wünsche ich Dir/Ihnen die nötigen Ressourcen, um die Herausforderung anzunehmen, aber auch die Zuversicht, aus ihr gestärkt hervorzugehen.

 

Herzliche Grüsse

Lea (Pelosi)